Kopenhagen, Dänemark
Millionenstadt an der Fernwärme

Kurzfassung

Kopenhagen betreibt das größte Fernwärmenetz Europas. Zur Zeit wird ein Gebiet mit 1,2 Million Einwohnern mit Fernwärme versorgt; 65% der Gebäude sind ans Fernwärmenetz angeschlossen; für 2002 wird eine Anschlußrate von 95% angestrebt. Die Fernwärme wird fast ausschließlich in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt.

Politische Ziele

Kopenhagen betreibt eine sehr engagierte Klimaschutzpolitik und strebt das Ziel einer 30%igen CO2-Reduzierung bis zum Jahr 2005 an und ist zuversichtlich, dieses Ziel durch verschiedene Maßnahmen zur Energieeinsparung, der Nutzung erneuerbarer Energien und der Reduzierung des Autoverkehrs zu erreichen. Im Jahr 1996 besteht das Ziel, bis 2002 95% der Bevölkerung an das Fernwärmenetz aanzuschließen.

Die Stadt Kopenhagen sieht ihre globale Verantwortung zum Klimaschutz. Seit 1991 nimmt die Stadt an ICLEIs "Urban CO2-Reduction-Project" teil. Sie hat zum Ziel, ihre Erfahrungen an andere weiterzugeben.

Projektreife

Die Ziele werden seit den 50er Jahren stufenweise umgesetzt.

Hintergrund-Informationen

In der Region Kopenhagen leben 30% aller Dänen auf 7% der Gesamtfläche Dänemarks - und von diesen wieder 25% in der Kernstadt Kopenhagens auf 3% der Fläche der Region. Die Elektrizitätsversorgung der Region liegt bei der ELKRAFT, einem Regionalversorger, an dem auch die Stadtwerke Kopenhagens beteiligt sind, die "Kopenhagener Beleuchtungswerke" (Koebenhavns Belysningsvaersen). Diese versorgen die Stadt Kopenhagen selbst und die angrenzenden Gemeinden Amager/Tarnby und Dragör mit Strom und Gas sowie Kopenhagen mit Fernwärme. Sie betreiben auf dem Stadtgebiet drei Heizkraftwerke auf Steinkohle- und Erdgasbasis mit zusammen 900 MW elektrischer Leistung. Bereits in der Vorkriegszeit bestand in Kopenhagen ein kleines

Fernwärmenetz auf Dampfbasis. Seit 1950 wurde es zielstrebig ausgebaut - von einem Absatz von rund 500 GWh/a bis auf rund 3.500 GWh im Jahr 1990. Da früher auch in größerem Umfang Prozeßdampf benÖtigt wurde, hat man das Netz zunächst mit Dampf betrieben. Bis heute beträgt deshalb der Dampfanteil am Wärmeabsatz beinahe 50%. Inzwischen hat auch in Kopenhagen der Wechsel von Produktionsbetrieben zu Dienstleistungsbetrieben stattgefunden. Der Bedarf an Wärme mit hoher Temperatur geht zurück. Deshalb können die Dampfnetze allmählich auf Heißwasser umgestellt werden. Das verringert die Leitungsverluste und erlaubt einen besseren Wirkungsgrad der Stromerzeugung in den Heizkraftwerken. Heute sind zwei Drittel aller Gebäude in der Stadt an das Fernwärmenetz angeschlossen. Das restliche Drittel besteht hauptsächlich aus alter Bausubstanz ohne Zentralheizung und aus Einfamilienhäusern, die mit Öl beheizt werden.

Umsetzung der Ziele

Fernwärme und Gas sind bei den leitungsgebundenen Energien die Konkurrenten am Wärmemarkt. In vielen europäischen Städten sind die Gasnetze seit den siebziger Jahren massiv ausgebaut worden und stehen heute einem Ausbau der Fernwärmeversorgung im Wege. Kopenhagen ist hier einen anderen Weg gegangen. Die Fernwärme hat eindeutig Vorrang vor dem Gas. Deshalb wurde das große Stadtgas-Netz nicht auf Erdgas umgestellt. Kopenhagen ist zwar seit 1984 ans Erdgas angeschlossen, das Erdgas wird aber zu Stadtgas umgewandelt. Die auch hier in den siebziger Jahren installierten Gasheizungen werden systematisch auf Fernwärme umgestellt. So ging der Stadtgasverbrauch nach einer Spitze um 1970 seither fast auf die Hälfte von rund 1.800 GWh/a auf 1.000 GWh/a zurück - wobei die Versorgung einiger kleinerer Orte außerhalb mit eingeschlossen ist.

Die Stadtverwaltung hat den Neuanschluß von Elektroheizungen untersagt. Wo das Fernwärmenetz vorhanden ist, besteht eine Anschlußpflicht. Bis zum Jahr 2002 sollen 95% statt bisher 65% der Gebäude in Kopenhagen an das Fernwärmenetz angeschlossen sein. Durch die Stillegung der Einzelheizungen und die Erzeugung der dann benÖtigten Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung kÖnnen 11% der CO2-Emissionen (570.000 Tonnen pro Jahr) eingespart werden. Die Stadtwerke betreiben 3 Heizkraftwerke im Stadtgebiet: Svanemölle, Örsted und Amager. Alle drei Anlagen arbeiteten zunächst entsprechend der dänischen nationalen Energiepolitik auf der Basis von Steinkohle. Örsted und Amager haben zu Anfang der achtziger Jahre zusätzlich zu vorhandenen Anlagen neue Kohlekessel und Turbinen mit einer Leistung von 90 und 250 MWel erhalten. Svanemöllen arbeitet mit Gasturbinen und Abhitzekesseln.

Örsted erhält derzeit zusätzlich zu den Kohlekesseln eine Gasturbine mit 150 MW elektrischer Leistung, welche dem Dampfturbinenprozeß vorgeschaltet wird. So kann mit dem Gas-und-Dampf-Turbinen-Prozeß (GuD) ein sehr guter elektrischer Wirkungsgrad bei hoher Brennstoffausnutzung erreicht werden.

Zu den Heizkraftwerken als Wärmeerzeugern kommen noch ein Müllheizwerk dazu und eine Reihe von Industriebetrieben, die Abwärme ins kommunale Netz einspeisen.

Beispiel: Das Vesterbo-Projekt

Vesterbro wurde Ende des letzten Jahrhunderts erbaut und ist heute ein Stadtteil Kopenhagens mit 33.000 Einwohnern. Die Bausubstanz muß dringend erneuert werden. Die Stadt hat dafür 650 Mio ECU (rund 1,2 Mrd. DM) vorgesehen. In der ersten Phase werden von 1992 bis 1995 4.200 Wohnungen für 6.500 Einwohner erneuert.

Von der EG wurde Vesterbro als Modellprojekt für ökologische Stadterneuerung ausgewählt. Im Rahmen dieses Modellprojekts ist ein Aktionsplan ausgearbeitet worden, der folgende Maßnahmen vorsieht:

Für die Fernwärme ergab die Vorstudie, daß eine Auslegung des Systems auf eine Temperaturspreizung von 80/40 Grad statt der in Dänemark inzwischen üblichen 90/45 Grad eine beträchtliche Energieeinsparung bringt - bei minimalem finanziellen Mehraufwand. Die Wärmeverluste im Netz werden reduziert; und der elektrische Wirkungsgrad in den Heizkraftwerken steigt. Noch besser wären 70/40 Grad; allerdings sind gemessen an den mÖglichen Einsparungen gegenwärtig die Zusatzinvestitionen für diese weitere Temperaturabsenkung noch zu hoch.

Auf Grund dieser Studie wurde nun in Vesterbro das Fernwärmenetz auf eine Temperaturspreizung von 80/40 Grad ausgelegt.

Stromeinsparung
Im idealen Prozeß der Kraft-Wärme-Kopplung werden Strom und Wärme immer gleichzeitig produziert. Das setzt aber eine gewisse Gleichzeitigkeit im Verbrauch voraus. Aber selbst in Kopenhagen mit seinem großen Fernwärmenetz ist der Strombedarf heute höher als der Bedarf an Fernwärme. Ein gewisser Stromanteil muß deshalb nach wie vor im Kondensationsprozeß erzeugt - und die Wärme dann weggekühlt werden. Zwar erreichen die Kopenhagener Heizkraftwerke auch heute schon eine im europäischen Vergleich vorbildliche Brennstoffausnutzung von 73% - sie ließe sich aber noch steigern, wenn weniger Strom im Kondensationsprozeß produziert werden müßte. Die Kopenhagener Energiepolitik zielt deshalb in zwei Richtungen:

Energieberatung
Einerseits soll das Fernwärmenetz ausgebaut werden - andererseits aber auch der Stromverbrauch reduziert werden. Deshalb ist bei den Stadtwerken eine Energieberatungsabteilung eingerichtet worden. Ihr Schwerpunkt liegt bei der Beratung von Großverbrauchern. Daneben gibt es auch in Kopenhagen die übliche Haushaltsberatung mit Ausstellungen energiesparender Elektrogeräte. Bislang wird nur im Stromsektor beraten. Über eine umfassende Energieberatung, welche auch die Wärmeseite einschließt, wird derzeit zwischen Stadtverwaltung und Stadtwerken verhandelt. Zielmarke für die CO2-Einsparung durch Stromeinsparung sind 290.000 Tonnen pro Jahr oder 6% der derzeitigen CO2-Emissionen.

Energiepreise
Die Umstellung der Fernwärmenetze von Dampf auf Heißwasser erfordert Investitionen nicht nur bei den Stadtwerken; auch die Energieabnehmer müssen ihre Heizanlagen auf die niedrigeren Temperaturen umstellen. Um dazu einen Anreiz zu geben, wurden die Fernwärmetarife 1989 so umgestellt, daß die Abnahme von Heizwärme auf niedrigerem Temperaturniveau begünstigt wird. Der Fernwärmepreis besteht nun aus einem festen Leistungspreis (141,19 Dkr/a entspr. 40 DM pro installierte kW), dem Arbeitspreis (0,388 Dkr entspr. 10,8 Pf/kWh - hier sind die dänischen Energieabgaben enthalten!) und einem Abkühlungspreis, der sich an der Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf orientiert und für jede kWh erhoben wird, bei der 5 Grad Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf nicht erreicht werden. (0,003 Dkr entspr. 0,08 Pf je kWh und Grad Abkühlung).

Analyse

Durch den Einsatz von Gas in den Heizkraftwerken wird sich der Gaseinsatz in Kopenhagen in Zukunft verdreifachen. Das erscheint vertretbar, weil der zusätzliche Gaseinsatz ausschließlich in Kraft-Wärme-Kopplung erfolgt - und nicht, wie sonst in Europa weithin üblich, das Gas nur "verheizt" wird. Und der Gaseinsatz in den Heizkraftwerken wird zu einer beträchtlichen Reduzierung der CO2-Emissionen führen: 270.000 Tonnen entsprechend 5% der CO2-Emissionen von 1992 auf Kopenhagener Stadtgebiet sollen so vermieden werden.

Kommentar

Kopenhagen gehört zu den Städten in Europa, die durch ihre Energie- und Klimaschutzpolitik sowohl beträchtliche Umweltentlastungen erreicht haben, als auch für viele andere Städte Vorbild geworden sind. Die Stadt hat wie wenig andere nationale oder kommunale Einrichtungen die Chance, eine 30%ige CO2 Reduzierung bis zum Jahr 2005 auch wirklich zu erreichen.

Weitere Informationen

Kontakt

Agency of Environmental Protection
City of Copenhagen
Flaesketorvet 68
DK-1711 Copenhagen V
Tel: +45-33 / 66 58 00,
Fax: +45-31 / 31 66 21

Quellen

Energy and Environment in Copenhagen.
Bezug: Kommuneinformation
Vester Farimagsgade 19
DK-1606 Copenhagen V
Tel: +45-22 / 11 42 20

Initiation of Combined Energy and Environmental Measures in Copenhagen. Final Report. Bezug: Agency of Environmental Protection Adresse s.o.

Danksagung:

Diese Fallbeschreibung ist mit freundlicher Genehmigung der Veröffentlichung "Vorbildliche kommunale Energieprojeckte in Europa" des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland entnommen. Eine Überarbeitung erfolgte durch ICLEI im März 1996.

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